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Die 17-jährige, temperamentvolle Maria fühlt sich von ihrem Dasein in einer
kolumbianischen Kleinstadt eingeengt und möchte der häuslichen Armut, ihrem
tristen Job als Arbeiterin auf einer Rosenplantage und ihrem ungeliebten Freund
Juan, von dem sie schwanger ist, entfliehen. Sie lässt sich von dem charmanten
Franklin als »Maulesel« anwerben und fliegt zusammen mit drei weiteren Kurieren
mit 62 Drogen-Päckchen im Bauch nach New York. Die Reise wird zu einer leidvollen
und schrecklichen Erfahrung für Maria - aber sie ist auch die Herausforderung,
die es ihr erst ermöglicht, einem neuen Leben entgegenzublicken. »Maria Full
Of Grace« ist keine wahre Geschichte, aber eine Geschichte, die jeden Tag
passiert.
Maria Alvarez ist eine lebensfrohe, junge Frau, die es im Leben weit bringen
könnte. Ihr Problem ist nur, dass sie in die Armut einer kolumbianischen
Kleinstadt hinein geboren wurde. Statt die Welt um sie herum zu erkunden,
arbeitet sie Tag für Tag für einen Hungerlohn in einer Blumenfabrik. Ihr einziger
Lebensinhalt besteht im zusammenschnüren von Rosen für die reichen, amerikanischen
Abnehmer. Ihre beste Freundin Blanca ist ein naives, junges Ding, das sich ihrem
Schicksal hingibt und ihr Freund Juan ein Langweiler, mit dem sie zwar ihre
Zeit verbringt, ihn aber nicht liebt. Als Maria dann von Juan schwanger wird,
stürzt sie in eine schwere Krise. Auf einem Dorffest lernt sie den aus ihrer
Sicht ungemein coolen Franklin kennen. Dieser nimmt sie mit in die Stadt und
macht sie mit dem Drogenboss Javier bekannt. Trotz aller Bedenken ist Maria
sofort von dessen väterlicher Freundlichkeit und der Chance auf den schnellen
Reichtum geblendet. Sie wird zu einem der zahlreichen ,Maulesel"
Was ist unter einem ,Maulesel" zu verstehen? Ein ,Maulesel", auch ,Schlucker"
genannt, ist nichts weiteres als ein Drogenkurier, der die Ware in Kapseln
verpackt in seinem eigenen Körper schmuggelt. Eine solche Kapsel enthält rund
zehn Gramm Heroin oder Kokain. Ein durchschnittlicher Kurier schluckt dabei
rund 80 bis 125 Kapseln und verdient mit einer Reise zwischen 5.000 und 8.000
Dollar. Setzt man dies im Verhältnis zum durchschnittlichen Jahreseinkommen
eines Kolumbianers (~ 1.830 Dollar) ist klar, dass viele aus ärmlichen
Verhältnissen stammende Menschen (was bei rund 80 Prozent der kolumbianischen
Landbevölkerung der Fall ist) darin die große Chance sehen und wider der eigenen
Moral handeln. So nutzen die Drahtzieher im Hintergrund die Notlange vollkommen
mittelloser Menschen aus und bleiben selbst anonym.
Doch kommen wir zurück zu ,Maria voll der Gnade". Regisseur und Drehbuchautor
Joshua Marston wurde erstmals auf die Geschichte aufmerksam, als er eine Frau
kennen lernte, die früher selbst Kokainkapseln geschluckt und geschmuggelt hat.
Ausgehend von dieser wahren Geschichte schuf Marston einen Film, der sich
intensiv mit den menschlichen Abgründen auseinander setzt. Natürlich verläuft
Marias Reise nicht ganz so rund, wie es geplant war. Um das Risiko zu minimieren,
werden immer mehrere Schlucker in einem Flugzeug platziert. Die Rechnung ist
einfach. Fliegt einer auf, steigen für die anderen die Chance durch zu kommen.
Eine der zusätzlichen Schlucker ist Marias Freundin Blanca, deren Naivität
beide noch in ernsthafte Probleme bringen wird. Dann wäre da noch Lucy, der eine
der Heroinkapseln im Magen platzt. Und in der Mitte Maria, die über sich selbst
heraus wachsen muss.
Im Mittelpunkt von ,Maria voll der Gnade" steht Newcomerin Catalina Sandino
Moreno. Und die junge Kolumbianerin ist eine echte Entdeckung. Auf der diesjährigen
Berlinale wurde sie mit dem Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin
ausgezeichnet und am Ende winkte gar eine überraschende Oscar-Nominierung für
die 23-jährige Mimin. Immer wieder wird ihre Maria mit Situationen konfrontiert,
in denen es eine schwere Entscheidung zu treffen gilt. Dabei gelingt es ihr,
ohne große Worte große Gefühle zum Publikum zu transportieren. Es sind vor allem
ihre wundervollen braunen Augen, die einen in ihren Bann ziehen. Und ihr äußeres
Erscheinen dürfte für ihre weitere Karriere auch nicht gerade hinderlich sein.
Ansonsten weiß vor allem Patricia Rae als Lucys Schwester Carla, der im weiteren
Verlauf der Geschichte eine wichtige Rolle zu Teil wird, zu überzeugen. Yenny
Paola Vega ist für die Handlung zwar auch noch von größerer Bedeutung, hat als
Blanca allerdings einen dankbaren Part erwischt.
,Maria voll der Gnade" ist ganz unbestritten ein wichtiger Film, da er dem
Publikum einen bisher unbekannten Teil des internationalen Drogenhandels näher
bringt. Es ist eben nicht immer alles so, wie es zunächst scheint. Joshua Marston
nähert sich diesem heiklen Thema mit viel Fingerspitzengefühl. Eine faszinierende
und vor allem ehrliche Geschichte ohne heuchlerische Hollywood-Moral sowie eine
glänzend aufgelegte Hauptdarstellerin. Dieses billig produzierte kolumbianische
Independent-Werk hat all das zu bieten, was ein guter Film braucht. [unbekannt]
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