Film: Maria voll der Gnade

 


 Titel  Maria voll der Gnade
    Maria, llena eres de gracia
    Maria Full of Grace
 Land  Kolumbien
    USA
 Jahr  2004
 Genre  Drama
    Thriller
 Länge Kino  101 min.
 FSK Kino  12
 Regie  Joshua Marston
 Produzent  Paul S. Mezey
 Co-Produzent  Jaime Osorio Gómez
 sonstiger Produzent  Becky Glupczynski
    Rodrigo Guerrero
    Orlando Tobon
 Kamera  Jim Denault
 Buch / Drehbuch  Joshua Marston
 Musik  Leonardo Heiblum
    Jacobo Lieberman
 Schnitt  Anne McCabe
    Lee Percy
 Casting  Maria E. Nelson
 Szenenbild  Debbie DeVilla
 Kinostart  21. April 2005
 Darsteller  Catalina Sandino Moreno als Maria Alvarez
    Yenny Paola Vega als Blanca
    Virgina Ariza als Juana
    Johanna Andrea Mora als Diana
    Wilson Guerrero als Juan
    John Álex Toro als Franklin
    Guilied Lopez als Lucy
    Patricia Rae als Carla Aristizábal
    Orlando Tobon als Don Fernando
    Fernando Velasquez als Pablo Aristizábal
    Jaime Osorio Gómez als Javier
    Mateo Suarez als Baby Pancho
    Fabricio Suarez als Baby Pancho
    Juana Guarderas als Female Pharmacist
    Rodrigo Sánchez Borhorquez als Supervisor
    Charles Albert Patino als Felipe
    Evangelina Morales als Rosita
    Victor Macias als Pellet Maker
    Hugo Ferro als Pharmacist
    Ana Maria Acosta als Stewardess
    Ada Vergara De Solano als Carolina
    Maria Consuelo Pérez als Constanza
    Ed Trucco als Customs Inspector
    Selenis Leyva als Customs Inspector
    Juan Porras Hincapie als Wilson
    Oscar Bejarano als Carlos
    Singkhan Bandit als Gas Attendant
    Patrick Rameau als Taxi Driver
    Monique Curnen als Receptionist
    Lourdes Martin als Doctor
    Bobby Plasencia als Enrique
    Lauren Bonett als Airport PA Announcer (Stimme)
 JSD  20. April 2005
 Websites  www.mariafullofgrace.com
    Trailer englisch (gross, externer Link)
    Trailer englisch (mittel, externer Link)
    Trailer englisch (klein, externer Link)

Die 17-jährige, temperamentvolle Maria fühlt sich von ihrem Dasein in einer kolumbianischen Kleinstadt eingeengt und möchte der häuslichen Armut, ihrem tristen Job als Arbeiterin auf einer Rosenplantage und ihrem ungeliebten Freund Juan, von dem sie schwanger ist, entfliehen. Sie lässt sich von dem charmanten Franklin als »Maulesel« anwerben und fliegt zusammen mit drei weiteren Kurieren mit 62 Drogen-Päckchen im Bauch nach New York. Die Reise wird zu einer leidvollen und schrecklichen Erfahrung für Maria - aber sie ist auch die Herausforderung, die es ihr erst ermöglicht, einem neuen Leben entgegenzublicken. »Maria Full Of Grace« ist keine wahre Geschichte, aber eine Geschichte, die jeden Tag passiert.


Maria Alvarez ist eine lebensfrohe, junge Frau, die es im Leben weit bringen könnte. Ihr Problem ist nur, dass sie in die Armut einer kolumbianischen Kleinstadt hinein geboren wurde. Statt die Welt um sie herum zu erkunden, arbeitet sie Tag für Tag für einen Hungerlohn in einer Blumenfabrik. Ihr einziger Lebensinhalt besteht im zusammenschnüren von Rosen für die reichen, amerikanischen Abnehmer. Ihre beste Freundin Blanca ist ein naives, junges Ding, das sich ihrem Schicksal hingibt und ihr Freund Juan ein Langweiler, mit dem sie zwar ihre Zeit verbringt, ihn aber nicht liebt. Als Maria dann von Juan schwanger wird, stürzt sie in eine schwere Krise. Auf einem Dorffest lernt sie den aus ihrer Sicht ungemein coolen Franklin kennen. Dieser nimmt sie mit in die Stadt und macht sie mit dem Drogenboss Javier bekannt. Trotz aller Bedenken ist Maria sofort von dessen väterlicher Freundlichkeit und der Chance auf den schnellen Reichtum geblendet. Sie wird zu einem der zahlreichen ,Maulesel"

Was ist unter einem ,Maulesel" zu verstehen? Ein ,Maulesel", auch ,Schlucker" genannt, ist nichts weiteres als ein Drogenkurier, der die Ware in Kapseln verpackt in seinem eigenen Körper schmuggelt. Eine solche Kapsel enthält rund zehn Gramm Heroin oder Kokain. Ein durchschnittlicher Kurier schluckt dabei rund 80 bis 125 Kapseln und verdient mit einer Reise zwischen 5.000 und 8.000 Dollar. Setzt man dies im Verhältnis zum durchschnittlichen Jahreseinkommen eines Kolumbianers (~ 1.830 Dollar) ist klar, dass viele aus ärmlichen Verhältnissen stammende Menschen (was bei rund 80 Prozent der kolumbianischen Landbevölkerung der Fall ist) darin die große Chance sehen und wider der eigenen Moral handeln. So nutzen die Drahtzieher im Hintergrund die Notlange vollkommen mittelloser Menschen aus und bleiben selbst anonym.

Doch kommen wir zurück zu ,Maria voll der Gnade". Regisseur und Drehbuchautor Joshua Marston wurde erstmals auf die Geschichte aufmerksam, als er eine Frau kennen lernte, die früher selbst Kokainkapseln geschluckt und geschmuggelt hat. Ausgehend von dieser wahren Geschichte schuf Marston einen Film, der sich intensiv mit den menschlichen Abgründen auseinander setzt. Natürlich verläuft Marias Reise nicht ganz so rund, wie es geplant war. Um das Risiko zu minimieren, werden immer mehrere Schlucker in einem Flugzeug platziert. Die Rechnung ist einfach. Fliegt einer auf, steigen für die anderen die Chance durch zu kommen. Eine der zusätzlichen Schlucker ist Marias Freundin Blanca, deren Naivität beide noch in ernsthafte Probleme bringen wird. Dann wäre da noch Lucy, der eine der Heroinkapseln im Magen platzt. Und in der Mitte Maria, die über sich selbst heraus wachsen muss.

Im Mittelpunkt von ,Maria voll der Gnade" steht Newcomerin Catalina Sandino Moreno. Und die junge Kolumbianerin ist eine echte Entdeckung. Auf der diesjährigen Berlinale wurde sie mit dem Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet und am Ende winkte gar eine überraschende Oscar-Nominierung für die 23-jährige Mimin. Immer wieder wird ihre Maria mit Situationen konfrontiert, in denen es eine schwere Entscheidung zu treffen gilt. Dabei gelingt es ihr, ohne große Worte große Gefühle zum Publikum zu transportieren. Es sind vor allem ihre wundervollen braunen Augen, die einen in ihren Bann ziehen. Und ihr äußeres Erscheinen dürfte für ihre weitere Karriere auch nicht gerade hinderlich sein. Ansonsten weiß vor allem Patricia Rae als Lucys Schwester Carla, der im weiteren Verlauf der Geschichte eine wichtige Rolle zu Teil wird, zu überzeugen. Yenny Paola Vega ist für die Handlung zwar auch noch von größerer Bedeutung, hat als Blanca allerdings einen dankbaren Part erwischt.

,Maria voll der Gnade" ist ganz unbestritten ein wichtiger Film, da er dem Publikum einen bisher unbekannten Teil des internationalen Drogenhandels näher bringt. Es ist eben nicht immer alles so, wie es zunächst scheint. Joshua Marston nähert sich diesem heiklen Thema mit viel Fingerspitzengefühl. Eine faszinierende und vor allem ehrliche Geschichte ohne heuchlerische Hollywood-Moral sowie eine glänzend aufgelegte Hauptdarstellerin. Dieses billig produzierte kolumbianische Independent-Werk hat all das zu bieten, was ein guter Film braucht. [unbekannt]

 
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aktualisiert am 2005-04-20...2005-06-06 durch JSD