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"1974 fährt meine Mutter nach Bremen. Sie nimmt ein Hotelzimmer und bringt sich
darin um. Sie ist 42 Jahre alt geworden. Der untersuchende Beamte der
Kriminalpolizei schreibt: 'Auf dem Schreibtisch wurde ein Zettel vorgefunden,
auf dem folgender Text stand: Entnehmen Sie bitte alle Kosten anliegender
Geldbörse.' Er ergänzt: 'Dieses Schreiben ist als ein Abschiedsbrief anzusehen.'
Zuhause wird über den Selbstmord nicht gesprochen."
Karin Jurschick war 14 Jahre alt, als sich ihre Mutter das Leben nahm. Der Vater,
damals 65 Jahre alt, lebt heute, ein Vierteljahrhundert nach dem Tod seiner Frau,
immer noch allein in der nahezu unveränderten Wohnung. Er hat beide Weltkriege
erlebt. Nach der Heirat fuhr er als Maschinenbauingenieur zur See, während seine
Frau den Traum vom eigenen Haus träumte, den Familienalltag aber als großen Stress
erlebte. Nach der Pensionierung des Vaters 1972 hätte aus seiner Sicht alles
"schön sein müssen" - doch es kam anders. 1997 trifft die Filmemacherin ihren
Vater nach Jahren ohne Kontakt wieder und beginnt, sein Leben und seine Umgebung
mit einer DV-Kamera zu dokumentieren. Die aufgenommenen Gespräche kreisen um die
abwesende Frau und den privaten wie den historischen Krieg, den die Eltern geführt
und erlebt haben. In Archivmaterial und analytischen Bildern vom engen Lebensraum
des Vaters, von der Wohnung, in der sie ihre Kindheit verbrachte, geht Karin
Jurschick der Frage nach, wie sich die Zeitgeschichte in das Leben eingeschrieben
hat.
Der Film ist ein sehr persönliches Projekt, in dem die Autorin eine
Familiengeschichte rekonstruiert, die Teil einer kollektiven Geschichte ist.
Erinnerte kleine Geschichten von der Frau, dem Mann, dem Kind oder auch der
ehemaligen Nachbarin bilden Erzählstränge, die das dokumentarische Material
durchziehen. "Danach hätte es schön sein müssen" wurde mit großem Erfolg auf
vielen Festivals im In- und Ausland gezeigt. Nach seiner Uraufführung auf der
Berlinale 2001 erhielt er unter anderem den "Preis der internationalen
Filmkritik", in Nyon mit den "Prix regards neufs État Vaud", auf der Duisburger
Filmwoche 2001 den "Förderpreis der Stadt Duisburg" und beim Festival "Hot
Docs"/Toronto den Preis für den besten Debüt-Dokumentarfilm.
Die Filmemacherin Karin Jurschick wurde 1959 in Essen geboren. Studium der
Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an der Universität Köln. Mitbegründerin
des Internationalen Frauenfilmfestivals Feminale. Seit 1995 Arbeit als freie
Hörfunk- und Fernsehautorin. "Danach hätte es schön sein müssen" war ihr erster
langer Film.
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